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Kurze Zusammenfassung für die Nachwelt

03.03.2015

Bei Heiner Flaßbeck Tun wir Thomas Piketty Unrecht? ↗, 03.03.2015

Letzter Absatz:

„Wie anders sieht das Aktionsfeld der Wirtschaftspolitik aus – darüber schreiben wir hier fast täglich –, wenn man in der nachgewiesenen Zunahme der Ungleichheit keine Gesetzmäßigkeit des Kapitalismus sieht, sondern eine Gesetzmäßigkeit, wie die Mächtigen zu allen Zeiten (in allen möglichen Wirtschaftssystemen) auf Kosten der Machtlosen zu leben trachten. In der Marktwirtschaft gelingt den Mächtigen das seit Jahren besonders gut, weil sie es schaffen, dem System anzudichten, dass es so funktioniere, und dem Normalbürger plausibel zu machen, dass das System nur so betrieben werden könne (schließlich ist die Planwirtschaft untergegangen, die freien Märkte also das Maß aller Wirtschaftsdinge)“

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Wer versucht, die Ungleichheit zu beseitigen, ohne die Fehlfunktion des Arbeitsmarktes zu analysieren, kommt keinen Schritt weiter. Hätten die Lohnsenkungen (relativ und absolut) in den vergangenen 40 Jahren so gewirkt, wie das die neoklassische Theorie vermutet, wäre es auch nicht zu permanent zunehmender Ungleichheit gekommen. Sinkende Arbeitslosigkeit und die Rückkehr zur Vollbeschäftigung hätten in diesem Fall die Machtverhältnisse am Arbeitsmarkt wieder zugunsten der Arbeitnehmerseite verschoben und wenigstens bei der Primäreinkommensverteilung (also bei der Verteilung über Lohnverhandlungen) eine Korrektur bewirkt. Dass es nicht dazu gekommen ist, sollte für jeden vernünftigen Menschen Anlass sein, das gesamte Konzept des neoklassischen Arbeitsmarktes in Frage zu stellen. Das aber passiert nicht, sondern man betrachtet die Ungleichheit unabhängig vom Arbeitsmarkt und läuft immer wieder in die gleiche Falle.

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In der Auseinandersetzung zwischen Konservativen und Linken, aber auch zwischen “konservativen” Sozialdemokraten und den „richtig Linken” geht es im Zentrum immer um die Frage, ob erst erwirtschaftet und dann umverteilt wird, oder ob man sozusagen von vorneherein eine Verteilung festlegen kann und muss, ohne dass bereits etwas erwirtschaftet worden ist, weil die festgelegte Verteilung Voraussetzung für eine dauerhaft und für alle erfolgreiche Erwirtschaftung ist.

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… (S)tellen wir uns einmal vor, die Welt der Marktwirtschaft funktionierte so, wie wir das sehen, dass man nämlich von vorneherein dafür sorgen muss, dass die Arbeitnehmer systematisch und gleichberechtigt am Produktivitätsfortschritt beteiligt werden, weil sonst die Nachfrage fehlt, die das System braucht, um den Beschäftigungsstand zu erhalten.

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Das Soziale an der Marktwirtschaft ist dann nicht der Reparaturbetrieb des Kapitalismus, sondern die entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung der Marktwirtschaft.

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Um es sarkastisch auszudrücken: Die einen plädieren für mehr Sozialarbeiter, die anderen für mehr Polizei.

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