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Unmenschliche Verhältnisse in NRWs Frauengefängnissen [Update 2]

30.04.2010

Wie krank ist das denn?

»Die Frauen, die zumeist wegen Drogen- oder Diebstahldelikten oder als Abschiebehäftlinge einsitzen, berichteten von demütigenden Gängen zum Frauenarzt, wo sie in Handschellen zwischen anderen Patientinnen im Wartezimmer saßen. Von Unterleibs-Untersuchungen in Anwesenheit auch männlicher Beamter, welche die Situation „regelrecht auskosten“. Vom Zwang, sofort nach der Geburt abzustillen und das Kind nicht mehr zu sehen. Und vom Entbinden im gefesselten Zustand. Die absurde Begründung: Fluchtgefahr. „Für die Frauen ist das schrecklich“, sagt die Hebamme Silke Mehler, die in Kölner Knast, dem größten in Nordrhein-Westfalen (NRW), zurzeit elf Schwangere betreut.« (Frankfurter Rundschau, 27.04.2010 ↗)

[Update 1]

Ministerin Müller-Piepenkötter dementiert bisher. Annika Joeres von den Ruhrbaronen hat auch recherchiert: Gefesselt im Kreißsaal ↗ (Ruhrbarone, 29.04.2010).

[Update 2]

Heute berichtet Annika Joeres in der Frankfurter Rundschau ↗ (30.04.2010):

»Nach Informationen der FR hat sich Brigitte Walch (die Mutter der Inhaftierten; Anm. d. Säzzer) im September 2009 in einem Einschreiben an das damals SPD-regierte Bundesjustizministerium gewandt. Sie beschwerte sich darüber, dass ein männlicher Beamte unmittelbar bei der Entbindung ihrer Tochter anwesend war. Eine Antwort habe sie nie erhalten.«

und weiter heißt es:

»Die meisten Gefangenen „trauen sich nicht aufzumucken“, so Kramm. Sie fürchteten um Hafterleichterungen und längere Besuchszeiten. Bei kritischen Gefangenen hätten Beamte „plötzlich“ keine Zeit mehr, sie zum wöchentlichen Telefonat zu begleiten, oder es gebe keine Stelle in den Werkshallen. Kramm sagt: „Wir werden behandelt, als sei man nicht den Schmutz unterm Fingernagel wert.“«

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One Comment
  1. Zitat des Kommentators Kampfschmuser bei Kanzlei Hönig ↗:
    »Das ist das (negative) Highlight seit Monaten. Eine gynäkologische Untersuchung im Beisein männlicher Justizgaffer und eine Entbindung im gefesselten Zustand habe ich mir nicht mal im entferntesten vorstellen können.
    Solchen Leuten, die das genehmigen/zulassen, könnte ich stundenlang ins Gesicht spucken und die Spucke würde mir nicht ausgehen.
    Da frage ich mich, was noch unter dieser fiesen ekligen Kruste von Unmenschlichkeit liegt.«

    Dem habe ich nichts (jedenfalls die nächsten Tage nichts, so widerlich ist das) hinzuzufügen.

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