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Liebe Soldaten in Afghanistan …

19.04.2010

Ihr habt nur ein kurzes Leben, im Durchschnitt nicht einmal 70 Jahre.

Warum gebt Ihr es in so jungen Jahren in Afghanistan her? Warum tretet Ihr Euer eigenes Leben mit Füßen?
Und warum nutzt Eure eigene Regierung das aus?

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7 Kommentare
  1. Andreas permalink

    Gute Frage und keine Antworten. Der Junge unserer Nachbarn hat sich für 12 Jahre verpflichtet. Frag‘ mich nicht warum.

  2. Bernd permalink

    Stellst du diese Frage auch dem Polizisten, der seine Haut riskiert, um eine gewaltsame Neonazi- Demo auseinander zu treiben?
    Oder dem Feuerwehrmann, der deine Oma aus ihrem Haus rettet?
    Oder dem Grenzschützer, der gegen organisierte Kriminelle aus Russland vorgeht?

    Wohl eher nicht. Die machen ja offensichtlich, was du willst. Die Soldaten in Afghanistan nicht.

    Du vergisst aber, dass die Regierungen der letzten acht Jahre die Jungs an den Hindukusch schicken und deren Leben riskieren. Damit sitzen alle Politiker, außer den Linken und den Nazis, im selben Boot.

    Warum fragst du denn nicht deinen Abgeordneten?
    Gehst du zur Wahl? Wenn ja, dann sind unsere Soldaten wahrscheinlich mit deiner Zustimmung in Asien.

    So wie ich das sehe stecken alle in Deutschland gern ihre Füße unter die Decke der Sicherheit, die von unseren Sicherheitskräften aufgespannt wird. Wie das geschieht entscheidet aber nicht die Decke! Also frag sie nicht.

    Bernd

  3. Hallo Bernd.

    Deine ersten drei Fragen kann ich schnell beantworten bzw. Du hast sie ja schon beantwortet: Diese machen größtenteils das, was ich auch befürworte. Allerdings haben sie auch vor der Entscheidung gestanden, ob sie dieses Risiko eingehen wollten. Als „Gegenleistung“ bekommen sie meine Hochachtung.

    Zu den anderen Fragen: Ja, ich könnte „meinen“ Abgeordneten (Direktkandidaten) fragen; der ist nur nicht meiner, ich habe ihn nicht gewählt. Außerdem habe ich Die Linke gewählt. (Rest ist dann klar)

    Worauf ich hinaus wollte und was ich hier nur implizit mit meinen Fragen transportieren wollte:

    Soweit ich weiß, ist der Dienst in Afghanistan freiwillig, falls nicht, weiß man worauf man sich einläßt, wenn man sich beim Bund verpflichtet. Dem Tod vorausgegangen ist also eine vom einzelnen Soldaten bewußt getroffene Entscheidung, sein Leben zu riskieren und ggf. zu sterben. Daher ist Dein Vergleich mit der Decke sehr schief; die kann sich tatsächlich nicht entscheiden, ein Mensch aber schon.

    Zusätzlich ist meiner Meinung nach 1. der Krieg nicht zu gewinnen, 2. der zivile Aufbau so nicht zu sichern und 3. unser Land so auch nicht sicherer zu machen. Außerdem haben wir 4. mit unserem Militär in einem anderen Land nichts zu suchen, außer bei Völkermord.

    Jeder muß das selbst für sich entscheiden. Wenn nicht, kann die Politik machen, was sie will. Wir haben ja gesehen, daß die Mehrheit der Politiker dafür ist, daß Menschen in Afghanistan getötet werden obwohl die Mehrheit der Deutschen gegen diesen Krieg ist.

  4. Bernd permalink

    Zitat:
    „Diese machen größtenteils das, was ich auch befürworte. … Als “Gegenleistung” bekommen sie meine Hochachtung.“

    Und wenn die Polizisten eine linke Demo mit Gewalt auflösen? Keine Hochachtung mehr, weil sie nicht tun, was du gut findest?

    Mein Punkt ist, dass jeder seine persönliche Entscheidungen trifft, was er mit seinem Leben anfangen will. Im Falle eines Soldaten bekommt man eine Menge von seinem Land (z.B. finanzielle Sicherheit und „Hochachtung“). Im Gegenzug riskiert man zum Wohle des deutschen Volkes ggf. sein Leben. Allerdings gibt man auch wesentliche Teile seiner Entscheidungsfreiheit darüber ab, was „zum Wohle“ ist.
    Deshalb solltest du nicht die Soldaten fragen, warum sie in Afghanistan sind. Glaub mir, niemand will da hin, aber es läuft auch keiner weg vor dem Auftrag, weshalb sie die Hochachtung auch verdienen.

    Bernd

  5. Hallo Bernd.

    Mir scheint, Du stößt Dich daran, dass ich die Soldaten frage. Dass liegt einfach daran, dass mir die Entscheidungsträger ferner sind und die Soldaten näher. Meiner Meinung nach werden die Soldaten missbraucht.

    Schließlich haben die Entscheidungsträger (die Bundestagsabgeordneten) in ihrer Mehrheit für die Weiterführung des Einsatzes gestimmt, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung dagegen ist. Ich spreche also nicht diejenigen an, die über die Soldaten und Ihren Einsatz entscheiden (das ist bereits geschehen), sondern diejenigen, die nach der Entscheidung diese umsetzen.

    Es ist ja gerade die Errungenschaft unserer Demokratie, dass zumindest in Fragen der Kriegsführung (nicht wie bspw. bei den Steuergesetzen) sich jeder einzelne weigern kann, daran teilzunehmen. Außerdem wird jegliche rechtsstaatliche Sanktion bei einer Verweigerung bedeutungslos, wenn man den eigenen Tod in Betracht zieht.

    Und daher resultiert meine Frage an die Soldaten: Was ist schlimmer als der Tod, dass Ihr dort mitmachen? UND: Was gewinnt Ihr, wenn Ihr dort mitmacht.

    Bei Feuerwehr und Polizei* kann ja gelten, dass sie es für die Gesellschaft tun, daher meine Hochachtung. Aber sind die Soldaten in Afghanistan für unsere Gesellschaft tätig? Und bei dieser Frage muss jeder seine eigene Entscheidung treffen: Die Soldaten, ob sie da mitmachen wollen UND ich, ob ich das gutheißen soll. Bei letzterer Frage sage ich klipp und klar: NEIN!

    * Bei der Polizei ist meine Haltung klar: Sie hat eine Privileg bzgl. der Gewaltanwendung (auch bei Auflösung linker Demos) und darf sie unter keinen Umständen missbrauchen. Siehe auch hier (che.blogger.de)↗ und hier (CCC-Video)↗.

  6. Bernd permalink

    Hi Tom,
    ich fange mal von hinten an, natürlich ist es dein gutes Recht den Krieg in Afghanistan nicht gut zu heißen. Ist ein Grundrecht.
    Für die Verteidigung genau dieser grundlegenden Menschenrechte werden die Jungs am Hindukusch eingesetzt. Sagt unsere, von der deutschen Mehrheit gewählte, Regierung.
    Wenn du als Linke- Wähler nicht zu dieser Mehrheit zählst, bist du in der Minderheit und musst dich dem Willen der Anderen unterordnen und ihn akzeptieren. Das ist auch Demokratie. Das sind die Spielregeln.

    Und die Spielregeln für Soldaten sind eben nicht, dass sie sich den Krieg aussuchen können, den sie kämpfen wollen. Sie haben den zu führen, den das deutsche Parlament beschliesst. (Sie müssen sich aber bei befohlenen Straftaten, Verstößen gegen Menschenrechte und Kriegsvölkerrecht verweigern.)

    Deshalb hast du auch Recht, ich stosse mich daran, dass du die Soldaten am liebsten auffordern würdest den Dienst zu verweigern. Es gibt Länder, in denen die Staatsbediensteten ihre Loyalität zum Staat und der Regierung nicht besonders ernst nehmen. Wir nennen sie manchmal Bananenrepubliken oder Dritte-Welt-Land.

    Versteh mich nicht falsch, ich denke unsere Jungs dort hin zu schicken war falsch. Ich denke auch wir sollten sie so schnell und gesichtswahrend wie möglich wieder heim bringen.
    Das geht aber nur durch Druck auf die Regierung und eben nicht auf die Letzten in der Entscheidungskette.

    Im Übrigen ist die Tatsache, dass eine Mehrheit der Deutschen gegen den Einsatz ist, eine Mehrheit der Politiker aber dafür, auch Teil der Demokratie. Niemand hat gesagt es wäre perfekt. Und schau mal hier:

    „Möglicherweise entwickeln sich … noch nicht für möglich gehaltene Koalitionen. Die aber werden nicht die NATO – und militärischen EU-Verpflichtungen zur Disposition stellen. Das aber ist die Crux. Wer von Regierungsbeteiligung im Bund träumt, muss bereit sein, letztlich den Weg der Grünen zu gehen.“

    So steht es im „Bericht des Bundessprecherrates an die 3. Tagung der 13. Bundeskonferenz“ der Linken vom 10.November 2007

    Und die Grünen „Pazifisten“ haben den Jugoslawien- und den Afghanistankrieg beschlossen.

    Bernd

  7. Hallo Bernd.

    Leider haben Soldaten ja keine Gewerkschaft oder Lobby, die sich öffentlichkeitswirksam dafür aussprechen könnte, den Krieg zu beenden. Hinzu kommt, dass man als Otto Normalbürger leider nur den Anfang der Befehlskette (die Politiker) oder das Ende der Befehlskette (die Soldaten) erreicht. An den Anfang der Befehlskette habe ich mich im Beitrag nicht gewendet, da die Politiker ja bekannter Maßen den Willen der Mehrheit der Bürger ignorieren.

    Und auch wenn die Mehrheit im Bundestag den Einsatz demokratisch beschlossen hat, muss (ich als Nicht-Wehrpflichtiger sowieso nicht) der Soldat nicht bedingungslos unterordnen. Damit meine ich nicht, dass er dersertieren sollte — was auch eine Option wäre, allerdings eine sehr schwerwiegende —, sondern den Wehrdienst verweigern kann. Die Wehrdienstverweigerung ist ebenfalls ein Bestandteil unserer Demokratie! Und das kann der Soldat auch während des Einsatzes, er kann es sogar nach Ende seines Wehrdienstes. Wann und ob diesem Antrag auf Wehrdienstverweigerung bzw. Ersatzdienst stattgegeben wird, steht auf einem anderen Blatt. Aber es wäre doch ein deutliches Zeichen, wenn eine relevante Anzahl von Soldaten (auch derjenigen, die noch in D stationiert sind) während des Einsatzes einen Antrag stellen.

    Leider — meiner Meinung nach — soll wohl vor allem der höhere Sold der Anreiz sein, sich für Afghanistan zu melden. Die Verteidigung des Landes steht wohl nicht immer an erster Stelle. Und ganz ehrlich: Diese Soldaten wiegen Ihr Leben (unbewusst) in Geld auf, und dabei wird mir — obwohl ja schlussendlich keiner gezwungen wird — kotzübel! Muss man für Geld wirklich alles tun?

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