Skip to content

Treffen wir unsere Wahl! Heute!

27.09.2009

Wirtschaft kennt keine Moral, ist kein Lebensentwurf, ist keine Philosophie. Und obwohl Wirtschaft unserem Handeln weder einen Sinn gibt, obwohl Wirtschaft allein aus sich heraus keinen Wohlstand bringt und obwohl Wirtschaft nichts metaphysisches ist, glauben die meisten Menschen in unserer Gesellschaft an sie wie an eine Religion.

Seit mehr als 25 Jahren predigen nun die Protagonisten der herrschenden Wirtschaftslehre, die Lobbyisten und die ihnen anhängenden Politiker von der hohen Kanzel zum Volk. Sie verkünden den Mythos von einem schlankeren Staat, ohne zu festzulegen, wann der Staat nun schlank genug sei. Sie sprechen von der stärkeren Eigenverantwortung, ohne zu sagen, wann der Mensch nun eigenverantwortlich genug sei. Sie teilen nie das Ziel mit, damit sie immer weitermachen können. Obwohl es seit 25 Jahren nicht besser wird, nicht für die Mehrheit der Menschen.

Sie reden den Eliten das Wort und dass Leistungsträger belohnt werden müssen. Sie meinen aber in Wirklichkeit, dass sie zur Elite gehören und Leistungsträger sind, weil sie viel Geld verdienen. Sie schaffen sich die Lebensumstände, die ihren Einzelinteressen entsprechen und leiten daraus ab, dass sie in diesen Lebensumständen die Elite seien. Und dass sie es verdient hätten, dass es ihnen besser ginge als den anderen. Und ihr eigenes Wohl haben sie immer im Auge.

Sie denken:

»›Diese Welt paßt sehr gut zu mir. Es gibt all diese Dinge, die mir helfen, mich zu ernähren und auf mich aufzupassen; ja, diese Welt ist wie für mich geschaffen‹, und [sie kommen] zur unausweichlichen Schlußfolgerung, daß, wer auch immer die Welt gemacht hat, diese für [sie] erschaffen hat.
Das ist in etwa so, als wachte eine Pfütze eines Morgens auf und denkt: ›Das ist eine interessante Welt, in der ich mich befinde — ein interessantes Loch, in dem ich liege — paßt doch ganz prima zu mir, oder? Ja es paßt so ungeheuer gut zu mir, daß es eigens für mich geschaffen worden sein muß.‹«
(Douglas Noël Adams, Salomon Of Doubt)

Nach zehntausenden von Jahren menschlicher Entwicklung haben die Eliten und Entscheider von der Welt immer noch die Sichtweise eines Frühzeitmenschen! Und diese Sichtweise von der Welt, die gleichzeitig auch eine Sichtweise von den Menschen in dieser Welt ist, wollen sie allen anderen Menschen aufzwingen. Sei es mit »There is no alternative« (TINA), sei es mit der Verarmung und Gängelung Millionen Bürger (Hartz IV), sei es mittels grundgesetzwidriger Gesetze und mit der ständigen Überwachung der gesamten Bevölkerung.

Der Beitrag von »cooldog« im Kommentarbereich bei der Süddeutschen Zeitung fasste die Welt unserer sogenannten Eliten meineserachtens ganz gut zusammen:

»Das eigentlich verachtenswerte am Neoliberalismus ist meiner Meinung nach seine exorbitante Dümmlichkeit. Es ist eine Ideologie, die das ganze menschliche Leben als Geschäftsvorgang sieht, für jedes Problem die Lösung ›Wettbewerb‹ hat und die ganze Welt durch die Brille des korinthenkackenden Buchhalters sieht. Neoliberalismus ist die Rache der mittelmässigen und talentlosen Flaschen, die für alles ausser BWL zu dumm waren und die jetzt drangehen, dem Rest der Welt ihre eigene erbärmliche Mittelmässigkeit aufzuzwingen. Neoliberalismus ist die Ideologie für den jämmerlichen Reihenhaus-Spiesser, der sein frustriertes Duckmäuser-Dasein runterlebt in der paranoiden Furcht, irgendjemand könnte mit weniger Mühe ein besseres Leben führen [als er] — was kein Kunststück ist — und das auch noch auf [seine] Kosten. Würg….«

Damit alle Menschen ihr Leben nach ihren eignen Vorstellungen führen können. Ohne Armut, ohne Überwachung, ohne Zwang aber mit Rücksicht, mit Zuversicht, mit einer Zukunft, mit Freude am Leben. Weil die Gesellschaft wieder die Herrschaft über die Wirtschaft zurückerlangen muss.

Treffen wir unsere Wahl! Heute!

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.