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Ein Kiosk und die Volkswirtschaft

21.09.2009

Letztens hatte ich ja die Handwerker hier und ich kam mit dem älteren, über 50jährigen ein wenig ins plaudern. Bevor er in der Firma Handwerker wurde, hatte er lange Jahre einen Kiosk, den er schließlich dicht machen musste. Es rentierte sich nicht mehr.

In dieser Zeit trat auch das Arbeitsamt an ihn heran und fragte nach, ob er nicht einen Arbeitslosen einstellen könnte, man würde auch für ein Jahr 75% des Lohnes übernehmen. Das hätte er auch gerne gemacht, nur hätte er sich verpflichten müssen, den so geförderten noch weitere 2 Jahre ohne Zuschuss zu beschäftigen.

Das musste unser damalige Kioskbesitzer und heutige Handwerker leider dankend ablehnen, konnte er doch voraussagen, dass er zwar von seinen vorhandenen Umsätzen die 25% des Lohnes würde finanzieren können. Für die zusätzlichen 75%, die er nach 2 Jahren hätte aufbringen müssen, hätte er seinen Umsatz aber in eine unrealistische Höhe schrauben müssen.

Und die Moral von der Geschicht: Subventionierte Löhne schaffen Arbeitsplätze nicht!

Warum tun sich die sog. Angebotsokönomen so schwer zu verstehen, dass sich zusätzliche Arbeitsplätze nicht durch die Entlastung der Firmen von Steuern und Abgaben, ja noch nicht mal durch subventionierte Löhne schaffen lassen? Die bis heute abgebauten Arbeitsplätze wurde doch abgebaut, weil die Nachfrage danach zurückging. Auch lassen Produkte sich nicht beliebig billig produzieren, sodass es noch einer kaufen würde.

Warum sehen gerade die Vertreter der Marktwirtschaft nicht ein, dass ein Unternehmen, welches nur subventionierte Löhne zahlen kann, Waren oder Dienstleistungen anbietet, die nicht marktfähig sind? Diese Unternehmen mit subventionierten Löhnen zu päppeln sorgt für eine Spirale sinkender Löhne und ist eine Intervention gegen jede marktwirtschaftliche Logik.

Subventionierte Arbeitsstellen werden größtenteils nur dann geschafften, wenn bestehende Arbeitsplätze durch Billiglohnarbeitsplätze ersetzt werden. Nur leidet darunter dann die gesamte volkswirtschaftliche Nachfrage und das führt zum Wirtschaftsabschwung.

Schon in den vergangenen 10 Jahren wurde dieser innervolkswirtschaftliche Wirtschaftsabschwung nur durch die Exporte kompensiert. Sollen wir uns darauf verlassen, dass unsere Außenhandelspartner ihre Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen und bei uns einkaufen kommen? Was geschieht, wenn andere Volkswirtschaften ebenfalls auf die Idee kommen und ihre Löhne soweit senken, dass wir dann deren billigere Exporte kaufen und unsere Binnenwirtschaft weiter schwächen?

Der einzige Weg aus der Wirtschaftskrise, die übrigen bereits vor dem Finanzmarktcrash bestand, kann nur der sein, die Nachfrage zu stärken, indem das Vermögen der unteren und mittleren Einkommensschichten angehoben wird. Nur höhere Löhne und Sozialleistungen schaffen Nachfrage schaffen Arbeitsplätze und mit letzteren wieder weniger Sozialleistungen.

In einer Volkswirtschaft reißen die Millionäre höchstens den oberen Bereich der mittleren Einkommensschichten mit nach oben, aber niemals die unteren Einkommensschichten. Im Gegenteil: Die unteren Einkommensschichten ziehen die mittleren Einkommensschichten mit nach unten.

Am 27. September ist Bundestagswahl. Sie haben/Du hast die Wahl!

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