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Hartz IV und die Wirtschaftskrise Reloaded | Teil 2

07.09.2009

Vorherige Beiträge:

Hartz IV und die Wirtschaftskrise ↙ (Start der Serie)
Hartz IV und die Wirtschaftskrise Reloaded | Teil 1 ↙

Wie im letzten Beitrag Hartz IV und die Wirtschaftskrise Reloaded | Teil 1 ↙ geschrieben, haben die Politiker nicht verstanden, was sie mit den Hartz-Reformen volkswirtschaftlich angerichtet haben und noch immer anrichten:

Durch die Hartz-Reformen gibt es ein Ungleichgewicht, was die Preise für Arbeit am Arbeitsmarkt angeht. Der Arbeitslose ist gezwungen, jeden Job anzunehmen, der Arbeitgeber kann fast jeden niedrigen Lohn anbieten, die ARGE gleicht die Differenz zum Existenzminimum aus. Gerade auch aus rein marktwirtschaftlicher Sicht ist solch ein Zustand unsinnig.

Zusätzlich ist ein Leben am Rande oder unterhalb des Existenzminimums für den einzelnen Unternehmer sinnvoll, da er nur geringe Löhne zahlen muss. Ein Wettrennen um die niedrigsten Löhne steht jedoch dem Ziel, Wirtschaftswachstum zu erzeugen, diametral gegenüber.

Was also tun?

Als erstes muss die Subvention der Unternehmen durch Aufstockung der zu geringen Löhne abgeschafft werden. Wenn ein Unternehmen keinen Lohn zahlen kann, um dem Arbeitnehmer ein Leben oberhalb des Existenzminimums zu ermöglichen, dann ist das hergestellte Produkt oder die angebotene Dienstleistung nicht marktfähig. Punkt.

Auf Seiten der Arbeitslosen muss gleichzeitig die Zumutbarkeit jedes Jobs zurückgenommen werden. Nur dann ist der Arbeitslose in der Lage, einen zu schlecht bezahlten (unterhalb des Existenzminimums liegenden) Job abzulehnen, was eine notwendige Bedingung ist, um am Markt überhaupt den Preis für seine Arbeit aushandeln zu können. Dies sollte sogar marktradikalen Protagonisten einleuchten.

Mit der Rücknahme der oben genannten Punkte fallen natürlich auch die Sanktionsbestimmungen bezüglich der Arbeits-nicht-Aufnahme weg. Dies könnte einige (leider wohl eher viele) dazu verleiten, zu sagen: »Dann geht ja keiner mehr arbeiten!«

Aber schauen wir uns doch die Situation im Hier und Jetzt an: Für viele Arbeitslose aber auch für viele Beschäftigte ist der Unterschied zwischen Erwerbseinkommen und staatlicher Alimentierung nicht besonders groß oder gar nicht vorhanden. Aus Sicht eines einzelnen Arbeitslosen ist es daher marktwirtschaftlich völlig rational und richtig, eine schlecht bezahlte Beschäftigung nicht anzutreten.

Wenn wir wollen, dass mehr Menschen eine freie Arbeitsstelle annehmen und nicht aus rationalen Erwägungen lieber zu Hause bleiben, müssen wir das Problem anders lösen. Möglichst mit einer Maßnahme, die unsere Volkswirtschaft gleichzeitig ankurbelt.

Und das ist gar nicht mal so schwierig …

Weiter mit Teil 3 ↙

Nachtrag:

Wenn also Herr Westerwelle von der FDP gerade wieder rumposaunt: »Die (faule Arbeitslose) werden bei uns kein Geld bekommen.« (FR, 06.09.2009 ↗) so legt er bereits den Grundstein für marktwidriges Handeln. Denn wie will er feststellen, ob ein Arbeitsloser aus rationalen marktwirtschaftlichen Erwägungen ein Arbeitsangebot ausschlägt oder weil er zu faul ist?

In einer funktionierenden sozialen Marktwirtschaft dürfen marginale Ausreißer keine Rolle spielen, will man nicht das ganze System unterminieren!

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2 Kommentare
  1. Peter Weigelt permalink

    Endlich mal eine vernünftige Aussage:

    Wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung den Mann/Frau nicht ernährt, dann ist dieses Produkt nicht marktfähig!

    Gratuliere – wieso sagt das keiner?

    Hinzu kommt, dass die Subvention von Betrieben natürlich allerorten kritisiert wird und sogar verboten ist. Das Aufstocken ist natürlich nichts anderes. Außer dass es zusätzlich für den Betroffenen eine infame Herabwürdigung seiner Person darstellt.

    Und zur Schwarzarbeit gehören immer zwei – wobei man natürlich immer beim Arbeitnehmer ansetzt, statt beim Arbeitgeber, wo es wesentlich einfacher einzudämmen wäre, weil bei entsprechenden Strafen für diesen viel auf dem Spiel stehen würde. ;-)

  2. Man muss sich auch mal vergegenwärtigen, dass die Unternehmer, die Dumpinglöhne unterhalb des Existenzminimums zahlen, indirekt, d.h. über den Arbeitnehmer in die »soziale Hängematte« fallen! Nach der Devise: Versagt der Unternehmer am Markt, springt der Staat ein und der Unternehmer kann nach wie vor die Gewinne abschöpfen.

    Wo bleibt da die Eigenverantwortung? Diese marktliberalen Vorstellungen sind nur deswegen (noch) tragfähig, weil deren Protagonisten ständig bescheißen! Sie halten sich nicht an ihre eigenen Regeln.

Kommentare sind geschlossen.