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Warum die SPD Oskar Lafontaine so haßt

25.05.2009

»Der Oskar Lafontaine des Jahres 2007 operiert und argumentiert ganz weitgehend so wie der Oskar Lafontaine des Jahres 1997. Eben das ist das Problem der Sozialdemokraten heute: Mit jedem ihrer Vorwürfe – die Linke agiere populistisch, sei demagogisch, verfolge illusionäre Ziele – denunziert sie sich gewissermaßen selbst, zumindest die eigene, noch nahe Vergangenheit, ihre ureigenen politischen Lösungen, dank derer sie 1998 den Sprung ins Kabinett schaffte.«

Mit diesem Zitat des Politik- und Sozialwissenschaftlers Franz Walter beginnt der Beitrag »Oskar Lafontaine: Der Mann mit dem Spiegel — Warum alle es lieben, ihn mit Begeisterung zu hassen?« auf ↗ forum-systemfrage.de.

Der/die AutorIn schlüsselt auf, warum Lafontaine ihrer/seiner Meinung nach so gehaßt wird:

»Er ist nicht wie sie. Er ist sich selber treu geblieben. Seine Ideale sind immer dieselben geblieben. Er wurde nie zu einem Opportunisten, der um die eigenen Überzeugungen feilscht und dem es nichts ausmacht, sich auf faule und erniedrigende Kompromisse einzulassen. Er hat nie die Seite gewechselt, um dem eigenen Ego zu schmeicheln […]«

Und wie dieser Haß das Bild über Lafontaine prägt:

»Dieser Mensch Lafontaine, so die Einstimmungsmelodie seiner leidenschaftlichen Feinde, sei ein Populist ersten Grades: Ein Rattenfänger. Man hat ihn erwischt — und zwar mehr als nur einmal —, dass er sich der Sprache der Rechtsradikalen bedient hat. […] Deshalb müsste man sich dringend mit ihm sachlich auseinandersetzen, um ihm seine Maske herunterzureißen — hört man immer wieder. Solange es nicht zu spät ist! Weil dieser Mensch — daran kann keiner mehr zweifeln – etwas Böses im Schilde führe.«

Was nun wiederum meiner Meinung nach klar macht, warum man die Vorwürfe der etablierten Parteien gegen Lafontaine ignorieren kann, solange es keine sachliche Auseinandersetzung gibt. Die Auswirkungen dieser Haßkampagnen darf man jedoch keinesfalls unterschätzen.

Den kompletten Artikel bei forum Systemfrage 21.

PS: Die im Artikel vorgenommen Gleichsetzung Schröders mit Gorbatschow teile ich nicht. Gorbatschow wurde von der sowjetischen Elite aus dem Amt geputscht (ja, ich weiß: sehr verkürzte Darstellung). Schröder wurde von den Wählern nur nicht bestätigt, von Abwahl kann man angesichts des knappen Ergebnisses nicht sprechen.

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2 Kommentare
  1. Mein Bild von Lafontaine ist bestimmt von der Erinnerung daran, wie er mit einer flammenden Rede einst in den neunziger Jahren den SPD-Vorsitz übernahm – und sein (gemeinsam mit oder schon gegen Schröder) inszeniertes Ränkespiel mit revolutionär-linken Tiraden zu kaschieren versuchte. Das war so widerlich wie erfolgreich damals.
    Sicher haben es ihm etliche SPD-Politiker später nachgetan (weniger frech, weniger professionell und weniger erfolgreich meist) – dennoch kann mir seitdem keiner erzählen, dass es Lafontaine um irgendwelche Ideale ging oder geht.

  2. Ob Lafontaines Ideale revolutionär sind, bezweifle ich. Allerdings ist die Art des Umgangs mit Ihm völlig kontraproduktiv hinsichtlich der gesellschaftlichen Probleme und des darüber zu führenden Diskurses innerhalb der politischen „Elite“. Die Kritiker Lafontaines stürzen sich reflexartig auf seine Person und nicht auf seine inhaltlichen Äußerungen. Sie verweigern sich lieber einem politischen Diskurs und versäumen so einen elementaren Teil ihrer Aufgabe in einer Demokratie.

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