Der Säzzer

20.08.2009

Volkswirtschaft versus Betriebswirtschaft

Gespeichert unter: Gesellschaft und Politik — Tom @ 10:21
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Ein lesenswerter Beitrag über Volkswirtschaft (VWL) und Betriebswirtschaft (BWL) findet sich bei FAZ.NET. Heiner Flassbeck — Chefvolkswirt der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung — skizziert, warum die Methoden und Mittel der Betriebswirtschaft nicht auf die Volkswirtschaft anzuwenden sind und schon gar nicht aus der gegenwärtigen Krise führen können.

Flassbeck kritisiert, dass das Teil (die BWL) als Ganzes (als VWL) gesehen wird:

»Das Handeln der Unternehmen ist in dieser Sicht nicht nur Gegenstand des Kapitalismus, es ist seine Richtschnur. Der Teil wird so zum Ganzen, Vielfalt wird zu Einfalt. Eine arbeitsteilige Marktwirtschaft ist nämlich mehr als die Summe ihrer Teile. Selbst wenn das Handeln der Unternehmen sein zentraler Gegenstand ist, emanzipiert sich volkswirtschaftliches Denken von der Logik des Unternehmens, weil es eine Logik des Ganzen schafft, die der einzelwirtschaftlichen häufig diametral entgegensteht.« (FAZ.NET ↗)

Seine zentrale Aussage:

»[…] In einzelwirtschaftlicher Sicht kann man durch Gürtel-enger-Schnallen die Krise zu überwinden suchen. Gesamtwirtschaftlich ist das aussichtslos, weil die Kosten des einen die Erträge eines anderen Unternehmens sind (FAZ.NET ↗; Hervorhebung: der Säzzer)

Sein Fazit:

»Auf der Strecke bleibt das kritische Denken. Auf der Strecke bleibt womöglich ein System (der Kapitalismus; der Säzzer), das tatsächlich schützenswert sein könnte, wenn wir denn endlich versuchen würden, es zu begreifen.« (FAZ.NET ↗)

Ich mache mir den Unterschied zwischen BWL und VWL immer an einem Beispiel deutlich:

Wenn es einem Unternehmen wirtschaftlich schlecht geht, kann es Mitarbeiter entlassen und dadurch Kosten sparen. Aber kann eine Regierung seine Bürger entlassen, wenn es der Volkswirtschaft schlecht geht?

Ich unterstelle mal, dass Politiker, die volkswirtschaftliche Probleme mit den Mitteln der Betriebswirtschaft lösen wollen, nichts verstanden haben. Ich unterstelle weiterhin, dass die Lobbyisten der Wirtschaft sehr wohl verstanden haben, wie der Hase läuft. Immerhin fordern sie seit 2 Jahrzehnten Maßnahmen (Lohnzurückhaltung, Steuersenkungen, Privatisierung öffentlicher Aufgaben), die ihrer Klientel (einzeln als betriebswirtschaftliche Einheit) zum Vorteil gereichen, nicht aber der Volkswirtschaft als ganzes.

Und noch ein Gedanke: Muss man den Begriff der Volkswirtschaft nicht auf die anderen EU-Staaten ausdehnen. Schließlich leben wir mit ihnen in einem gemeinsamen Wirtschaftsraum mit einer gemeinsamen Währung. Kann ich unter diesen Bedingungen in den anderen EU-Ländern noch Konkurrenten sehen?

Ich lasse die Fragen mal so stehen. Was meint Ihr?

Links im Text:
FAZ.NET: Was sozial ist, schafft Arbeit! ↗ (23.07.2009)

Weiterführende Links:
Le Monde Diplomatique: Im Bauch des Sparschweins ↗ (14.11.2008)

17.08.2009

Zur lage der Nation | 2

Gespeichert unter: Gesellschaft und Politik, Linked — Tom @ 09:45
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Weil ich zu faul bin, etwas eigenes zu schreiben, schicke ich Euch rüber zu den NachDenkSeiten.

»Ein kurzer Blick zurück: Am 16. Februar 2003 trafen sich in Berlin der damalige Bundeskanzler Schröder, sein Wirtschaftsminister Clement und Bundesfinanzminister Eichel mit den Spitzen der Banken und Versicherungen […]. Thema der Geheimsitzung waren die hohen Verluste und Risiken einiger Finanzinstitute und der Vorschlag, eine Auffanggesellschaft für unsichere, faule Kredite zu gründen.[…]« (nachdenkseiten.de ↗)

In jener Krisensitzung am 16. Januar 2003 wollte man die Gründung einer Bad Bank beschließen. Die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« berichtete im Februar 2003 davon und der Plan wurde offiziell nicht weiter verfolgt. Aber es wurde mit der Gründung der Hypo Real Estate (HRE) durch die HypoVereinsbank begonnen.

Auf den NachDenkSeiten reicht Albrecht Müller zwei Bundestagsanträge der CDU/CDU/FDP-Fraktionen sowie der Fraktionen von SPD/B90Grüne vom 8.5.2003 nach. Er beschreibt die »bemerkenswerten Fehleinschätzungen und Denkweisen« der Parteieln angesichts jener Krisensitzung drei Monate zuvor. Sie waren also alle gewarnt.

Links im Text:
Nachdenkseiten: Schon 2003 und in Kenntnis der heraufziehenden Finanzkrise hat eine große CDU/CSU/SPD/FDP/Grüne-Koalition mit der Förderung des Finanzkasinos weitergemacht (Finanzkrise XXV) ↗ (am 15.08.2009)

Weitere Links zur HypoRealEstate:
WEISSGARNIX: HRX – Da kömmt noch (viel) mehr! ↗ (bereits am 26 JUNI 2009)
NachDenkSeiten: Interessenskollisionen und Eigeninteressen als »systemisches Risiko« ↗ (am 31. 07.2009)
ZEIT ONLINE: Rettung der HRE erspart Banken Milliardenverluste ↗ (am 24.07.2009)
TAGESSPIEGEL: Die Verschleier-Affäre ↗ (am 16.08.2009)

12.08.2009

Die Tafel Münster verweigert Essen wegen missliebiger Äußerungen

Gespeichert unter: Gesellschaft und Politik — Tom @ 20:09
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Warum Almosen durch private Initiativen inakzeptabel sind, zeigt das Verhalten der Tafel Münster. Ein 56-jähriger Hilfeempfänger der Tafel Münster hat der »Jungen Welt« ein Interview gegeben, in welchem er sich kritisch mit der Tafel auseinandersetz. In diesem Interview hat er lediglich die Situation geschildert, wie sie sich wohl täglich bei den Tafeln in dieser Republik abspielt.

Jetzt bekommt er von der Tafel kein Essen mehr: Keine richtige Gesinnung, keine Kekse! Aber lest selbst ↗.

Um das mal deutlich in die Tür derjenigen zu meißeln, die bereits oder noch nicht von Hartz IV leben müssen: Wer von Almosen leben muss, kann Nahrung zum Lebenserhalt bekommen, muss aber nicht. Die »ehrenwerten« Hüter der Tafeln entscheiden, wer etwas bekommt und wer nicht. So ist das in unserem demokratischen aufgeklärten christlichen Abendland. Schlimm!

Links:
Junge Welt: Münster-Tafel bestraft Widerspruch ↗
Interview: »Das alles ist für mich sehr demütigend« ↗

03.08.2009

Zur Lage der Nation | 1

Lesebefehl!

Die Meinungsfreiheit als Sondermüll ↗
Ein sehr guter Beitrag des Rechtsanwalts Udo Vetter zu Frau von der Leyens Verhältnis zum Grundgesetz und zur Menschenwürde.

Internet vs. »reales Leben«

Verglichen mit dem Netz ist das Leben ein rechtsfreier Raum ↗
Bettina Winsemann bei Telepolis über die Regulierung im Internet und im »realen Leben«

Damals und heute

Schirmbeck sehnt sich nach dem Führer ↗
Das gesunde Volksempfinden bei den Nazis damals und bei der CDU heute am Beispiel der sogenannten Dienstwagenaffäre von Ulla Schmidt.

Nur zur Erinnerung

Großer Ärger um ein kleines Ferkel ↗
Wie Frau von der Leyen ein religionskritisches Kinderbuch mit dem erfundenen Vorwurf des Antisemitismus auf den Index setzen lassen wollte.

Und ein Wahlaufruf

Wählen gehen bei der Bundestagswahl 2009. Ein Aufruf etwas zu ändern. ↗
Ein Aufruf von Jens Ferner, etwas gegen den Abbau von demokratischen Strukturen, gegen Politikverdrossenheit und verkrustete Systeme und gegen den Abbau von Bürgerrechten zu tun.rfundenen Vorwurf

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