»Der Oskar Lafontaine des Jahres 2007 operiert und argumentiert ganz weitgehend so wie der Oskar Lafontaine des Jahres 1997. Eben das ist das Problem der Sozialdemokraten heute: Mit jedem ihrer Vorwürfe – die Linke agiere populistisch, sei demagogisch, verfolge illusionäre Ziele – denunziert sie sich gewissermaßen selbst, zumindest die eigene, noch nahe Vergangenheit, ihre ureigenen politischen Losungen, dank derer sie 1998 den Sprung ins Kabinett schaffte.«
Mit diesem Zitat des Politik- und Sozialwissenschaftlers Franz Walter beginnt der Beitrag »Oskar Lafontaine: Der Mann mit dem Spiegel — Warum alle es lieben, ihn mit Begeisterung zu hassen?« auf ↗ forum-systemfrage.de.
Der/die AutorIn schlüsselt auf, warum Lafontaine ihrer/seiner Meinung nach so gehaßt wird:
»Er ist nicht wie sie. Er ist sich selber treu geblieben. Seine Ideale sind immer dieselben geblieben. Er wurde nie zu einem Opportunisten, der um die eigenen Überzeugungen feilscht und dem es nichts ausmacht, sich auf faule und erniedrigende Kompromisse einzulassen. Er hat nie die Seite gewechselt, um dem eigenen Ego zu schmeicheln […]«
Und wie dieser Haß das Bild über Lafontaine prägt:
»Dieser Mensch Lafontaine, so die Einstimmungsmelodie seiner leidenschaftlichen Feinde, sei ein Populist ersten Grades: Ein Rattenfänger. Man hat ihn erwischt — und zwar mehr als nur einmal —, dass er sich der Sprache der Rechtsradikalen bedient hat. […] Deshalb müsste man sich dringend mit ihm sachlich auseinandersetzen, um ihm seine Maske herunterzureißen — hört man immer wieder. Solange es nicht zu spät ist! Weil dieser Mensch — daran kann keiner mehr zweifeln – etwas Böses im Schilde führe.«
Was nun wiederum meiner Meinung nach klar macht, warum man die Vorwürfe der etablierten Parteien gegen Lafontaine ignorieren kann, solange es keine sachliche Auseinandersetzung gibt. Die Auswirkungen dieser Haßkampagnen darf man jedoch keinesfalls unterschätzen.
Den kompletten Artikel bei ↗ forum Systemfrage 21.
PS: Die im Artikel vorgenommen Gleichsetzung Schröders mit Gorbatschow teile ich nicht. Gorbatschow wurde von der sowjetischen Elite aus dem Amt geputscht (ja, ich weiß: sehr verkürzte Darstellung). Schröder wurde von den Wählern nur nicht bestätigt, von Abwahl kann man angesichts des knappen Ergebnisses nicht sprechen.